Google Ads: Nur ein Rebranding oder steckt mehr dahinter?

Christian Penseler GLASKUGEL

Google AdWords wird zu Google Ads. Ist es eine einfache Umbenennung oder ein weiterer Schritt in Richtung Autonomie? Will Google die AdWords-Agenturen unnötig machen? Wird jetzt alles AI und smart?

Google kündigt das Rebranding kurzfristig an

Am 27.06.2018 verkündete Google, dass aus dem mittlerweile 18 jährigen Programm Google AdWords, in weniger als einem Monat Google Ads werden wird. Offizieller Blogpost

Warum macht mich das stutzig?

Auf den ersten Blick sieht alles wie ein ganz simples Rebranding und Vereinfachung aus. Google erklärt in dem Blogpost, dass sich seit der Einführung von AdWords vieles getan hat. Werbetreibende hätten jetzt weitaus mehr Möglichkeiten potentielle Kunden zu erreichen, es aber auch zunehmend komplexer wird. Daher würden sie den Werbetreibenden ab sofort eine einfachere Marke und einfachere Lösungen anbieten. Im Original: „That’s why today we are introducing simpler brands and solutions for our advertising products: Google Ads, Google Marketing Platform, and Google Ad Manager.“

Weiterhin kündigt Google einen neuen Kampagnentyp an, welcher es für kleine Unternehmen noch einfacher machen soll erfolgreich Werbung zu schalten. Um in der Google-Sprache zu bleiben, werden sie „Smart Campaigns“ heißen und ganz nebenbei der neue Standard-Kampagnentyp werden. Im Original: „With the introduction of Google Ads, small business can now use smart campaigns, our new default ads experience.“ Quelle: Google Blog

Warum so schnell? Warum so kurzfristig?

Ich sag‘ mal so: Einen besseren Zeitpunkt wird es für Google in Zukunft nicht geben. Google hatte die neue Oberfläche für Google AdWords ursprünglich für Ende des Jahres angekündigt. Mitte Juni haben sie diese Deadline zum Ärger vieler Account-Manager auf den 10.07.2018 vorverlegt. Warum denn auf den 10.07.? Ich gehe mal davon aus, dass es stark mit dem jährlichen Live-Stream Google Marketing Live zusammenhängt. Dort könnte man dann stolz behaupten: Alles neu, alles Smart!

Braucht Google eigentlich noch die AdWords-Agenturen?

Agenturen kümmern sich um die Gebote einzelner Keywords. Ach nee, das erledigt ja jetzt das Smart Bidding. Automatische Gebote optimieren die Leistung basierend auf hunderten Nutzersignalen, um den höchstmöglichen Return on Invest zu ermöglichen. Das kann ein Mensch nicht mehr leisten.

Wer soll denn die ganzen Keywords recherchieren? Na Google! Mit den Dynamic Search Ads muss man nur noch eine Zielseite angeben, Keywords sucht Google automatisch. (Quelle: Google Blog)

Aber die Textanzeigen, die schreibt doch der Account-Manager. Naja… das kann Google wohl auch besser und macht eigenständig neue Anzeigenvorschläge, die sie am liebsten auch selbst freischalten möchten. (Quelle: Google Hilfe)

Unsere Banner, die macht doch der Grafiker? … Google stellt vor: Smart Display

Wie soll Google denn bitte meine spezielle Branche verstehen? Zack, Datengetriebene Attribution (Warum nennen sie es nicht gleich Smart Attribution?)

Es gibt noch mehr aus der AI-Überraschungskiste

03.05.2018 Google kündigt neue „Zieloptimierte Shopping Kampagnen“ an.

13.03.2018 Google gibt noch mehr Empfehlungen zur Optimierung des Kontos.

29.08.2018 Google stoppt gleichmäßige Anzeigenrotation.

23.08.2017 App-Installations-Kampagnen werden zu Universal App Campaigns.

… Ich könnte stundenlang so weitermachen.

Wenn die KI smarter ist als die Agentur

Smart, AI, Machine Learning hin oder her. Eine Hürde für einen Kleinunternehmer war sicherlich die sehr technische Oberfläche und die vielen Optionen und Einstellungen. Was aber, wenn man eine Oberfläche hätte, die schön bunt ist, schöne Grafiken anzeigt und einem sogar Verbesserungsvorschläge macht:

So werden die Argumente eine AdWords-Agentur zu beschäftigen scheinbar immer weniger. Zurzeit ist der Effekt zwar ein anderer, denn wenn ich mal in meinem Agenturalltag blicke, gibt es mehr Anfragen denn je: Und die Gründe der Interessenten sind oft die gleichen. Sehr oft höre ich von kleineren Unternehmen: „Bisher haben wir das ja selbst gemacht, aber jetzt wird uns das zu komplex.“

Und wenn sie nicht gestorben sind …

Ich denke Agenturen wird es immer geben. Aber Achtung! Das Aufgabenfeld wird sich verändern. Weg vom Keyword-Nerd hin zum Marketing-Flüsterer. Fakt ist: Google verdient nichts an Agenturen. Eigentlich verlieren sie sogar einen vermeidbaren Anteil des Budgets an Agenturen. Aktuell muss Google hoffen, dass die AdWords-Berater ihre Kunden so gut beraten, dass diese mehr und mehr Budget in AdWords investieren. Doch hat sich Google jemals auf andere verlassen?

Bitte teilt eure Meinung mit mir. Male ich hier den schwarzen Teufel an die Wand oder seht ihr es ähnlich?
Auf dem SEACamp 2018 in Hannover werde ich dazu eine Diskussionsrunde eröffnen.

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